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Geschichte

 

Von der Gründung bis zum Zweiten Weltkrieg

Die KDStV Nassovia wurde am 28. Oktober 1896 an der Technischen Hochschule Darmstadt gegründet. Abgesehen von dem nicht farbentragenden Akademischen Verein Darmstadt, der sich selbst 1889 zur studentischen Korporation erklärt hatte, war Nassovia die erste nichtschlagende Verbindung in Darmstadt. Zudem war sie die erste konfessionell gebundene Verbindung in Darmstadt. Gegen die Gründung konfessioneller Verbindungen demonstrierten 1896 tausende Studenten in Darmstadt und auch an anderen Hochschulen im Rahmen des akademischen Kulturkampfes. Den katholischen Studentenverbindungen wurde von einer Versammlung von 700 Darmstädter Studenten die Existenzberechtigung abgesprochen und die Forderung erhoben, diese und insbesondere die Nassovia von allen Festlichkeiten auszuschließen. Rektor und Senat stellten sich jedoch auf die Seite der Nassovia und forderten die Studentenschaft auf, die Ablehnung der Nassovia aufzugeben, da dies gegen die Statuten der Hochschule verstoße und einen Eingriff in die akademische Freiheit darstelle.

Nassovia trat im Jahre 1904 dem Cartellverband bei. Sie dokumentierte auf diese Weise den Akademisierungsprozess der technischen Hochschulen auch im Bereich studentischer Verbindungen. 1913 wurde von der Nassovia das erste eigene Verbindungshaus am Ballonplatz 5 (heute Alexanderstraße 29) in Darmstadt direkt gegenüber der Hochschule bezogen. Nach dem Ersten Weltkrieg kam es in den 1920er Jahren zu einer Blütezeit. Der starke Anstieg der Mitgliederzahl führte 1921 zur Gründung der Tochterverbindung „Rheinpfalz“.

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg

Nach der nationalsozialistischen Gleichschaltung 1933 wurde das Klima für Studentenverbindungen schwieriger. Der zunehmende Druck auf die deutschen Verbindungen des Cartellverbandes und die Einführung des Führerprinzips führte zu Abspaltungsbestrebungen der österreichischen Verbindungen, die sich ihre bisherigen Freiheiten erhalten und dem Druck der Nationalsozialisten entziehen wollten. Schließlich wurde der Cartellverband aufgespalten, der verbleibende deutsche Teil 1935 zwangsweise durch den NS-Staat aufgelöst. Auch die Aktivitas der Nassovia musste 1936 suspendieren, um einer Umwandlung in eine NS-Kameradschaft zuvorzukommen. Der Altherrenverband konnte sich bis 1938 halten. Das Verbindungshaus wurde enteignet. Ein Mitglied der Verbindung, der Zentrumspolitiker Kuno Kamphausen (1900 - 1934), wurde während des Röhm-Putsches im Jahre 1934 von der SS ermordet. Mit dem Gedenken an Kamphausen verbindet Nassovia eine scharfe Verurteilung des Rechtsextremismus.

Von der Wiederbegründung bis zur Gegenwart

Kurz nach dem Krieg bildete sich innerhalb der katholischen Hochschulgemeinde die Studentengruppe Sankt Michael heraus, die Kontakt mit der Altherrenschaft aufnahm. Aus dieser Initiative wurde am 26. Oktober 1949 die KDStV Nassovia wiederbegründet. In den folgenden Jahren normalisierte sich das Verbindungsleben und entwickelte sich recht fruchtbar. Nicht nur die gesellschaftlichen Verbindungsveranstaltungen standen im Vordergrund, sondern mindestens ebenso die Bemühungen, dem Verbindungsleben einen geistigen Inhalt zu geben. 1958 bezieht Nassovia das in Eigeninitiative wiederaufgebaute, denkmalgeschützte Vorderhaus in der Alexanderstraße 27 (ehemals Ballonplatz 7) mit dem im Hof neu erbauten Hinterhaus.

Engagements einzelner Nassoven in der Hochschulpolitik und bei der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) waren bei Nassovia gängige Praxis. 1968 wurden sieben Nassoven ins Studentenparlament gewählt, die mit weiteren 15 Korporierten ein Drittel der Sitze stellten. Der Geist der 1968er Jahre wehte auch bis Darmstadt, wenn auch nicht so stürmisch wie beispielsweise in Berlin oder Frankfurt. Den allgemeinen Zeitläufen folgend waren auch die Nassoven offen für damals „revolutionäre“ Forderungen wie Öffentlichkeit der Gremien, Mitbestimmung bei Hochschul-, Studien- und Prüfungsangelegenheiten, Mitsprache bei Forschung und Lehre, für eine familienunabhängige Förderung. Dabei vertrauten sie allerdings mehr auf Gespräche als auf Go-ins. Die Verbindung litt in dieser Phase unter rückläufigen Nachwuchszahlen.

In den 1970er Jahren beruhigte sich die Situation allmählich und führte zu neuer Blüte des Verbindungslebens. Für die Amtszeit 1982/83 werden die Darmstädter CV-Verbindungen erstmalig beauftragt, mit dem CV-Vorort die studentische Verbandsleitung für den CV zu übernehmen und eine Cartellversammlung in Darmstadt auszurichten. Ein gemischtes Team der drei Verbindungen übernimmt diese Aufgabe. Ein weiterer Höhepunkt im Verbindungsleben war das 100. Stiftungsfest 1996, das gemeinsam mit der 75-jährigen KDStV Rheinpfalz gefeiert wurde. Gut 20 Jahre nach dem letzten Darmstädter Vorort setzte sich das siebenköpfige Chargenkabinett unter Leitung der Nassovia wieder aus den drei Darmstädter CV-Verbindungen zusammen. An die 119. Cartellversammlung mit dem unvergessenen Kommers in der Böllenfalltorhalle, dem Ball in der Otto-Berndt-Halle und dem Pontifikalamt in St. Ludwig erinnern wir uns gerne.

Bis heute ist das Bekenntnis zu Freundschaft, Wissenschaft, Kirche und Staat allen Nassoven gemeinsam.

KDStV Nassovia
Alexanderstraße 27

64283 Darmstadt

KDStV   Katholische Deutsche Studentenverbindung